• KaljoA

Never give up!

Wie mit Ruhe und Besonnenheit, aber auch mit Leidenschaft und Vision, das Lächeln in mein Gesicht zurückgekehrt ist und wie wir gemeinsam aus dem Schlamassel wieder heraus kommen.

Letzte Woche war es wieder so weit: Ich konnte zum ersten Mal wieder eine OUT OF OFFICE Nachricht in meinem Outlook hinterlegen und war zum ersten Mal nach knapp neun Wochen auf einer offiziellen Dienstreise. In meinem letzten Blog-Post habe ich noch darüber geschrieben, wie wehmütig und traurig ich bin, dass das 24H Rennen, das am 24. und 25. Mai am Nürburgring hätte über die Bühne gehen sollen, nicht stattfinden kann und ich leider auf ein sehr persönliches Highlight in diesem Jahr verzichten muss. Der Post ging am Dienstag, 12.05.2020, online und mich haben viele schöne und aufmunternde Nachrichten von Freunden, Partnern und Gleichgesinnten erreicht, über die ich mich sehr gefreut habe. Mit einem guten Freund habe ich mich an besagtem Dienstag Abend auf ein virtuelles Bier verabredet und wir haben die letzten Jahre am Ring, die Emotionen und die Atmosphäre nostalgisch Revue passieren lassen. Aus diesem Gespräch oder besser gesagt aus diesem Abend ist aber eine außergewöhnliche Idee entstanden, wie wir, trotz der Absage des Rennens, ein einzigartiges und qualitativ hochwertiges Erlebnis, rund um den Mythos 24H Rennen am Nürburgring, für die Fans zu Hause schaffen können.


25,378 – die abgefahrenste Idee des Jahres:

Schnell war uns klar, dass wir die Geschichte rund um die legendäre Nordschleife, um die Party rund um das Rennen, um die Fans, aber auch um den Motorsport und die Köpfe dahinter erzählen wollen. Eine Mischung aus informativen Hintergründen, Einblicken der Teams und Rennfahrer, spannender Rennaction, unterhaltenden Musik-Acts und vielen Eindrücken rund um die Rennstrecke. Das Ganze LIVE, 24H non-stop und das Beste: für einen guten Zweck. Denn es war uns ein Anliegen, die Marshals des Nürburgrings in der schwierigen Zeit zu unterstützen, da ihnen aktuell alle Einnahmen aus Motorsportveranstaltungen verloren gingen.


Viele Gespräche später wurde, zusammen mit Sporttotal, als Vermarkter des realen 24H Rennens, die Idee geboren, die Sendezeit an die Streckenlänge des 24H Rennen Layouts der Nordschleife anzupassen und 25,378 Stunden live zu senden. Und das ohne Budget wohlgemerkt. Eine Mammutaufgabe mit nur einer Woche Vorlaufzeit, richtig abgefahren! Also sind wir wieder in den alltäglichen Wahnsinn eingetaucht und haben das Unmögliche möglich gemacht. Zahlreiche Rennfahrer, Legenden und Persönlichkeiten haben uns hierbei tatkräftig unterstützt, um eine tolle abwechslungsreiche Live Show im TV und Stream auf die Beine zu stellen. Entstanden sind 25,378 Stunden voller Highlights der legendären 24H am Nürburgring: Von den größten Siegern und tragischsten Verlierer bis hin zu Fahrer-Interviews über SimRacing Action mit Gran Turismo Sport war alles dabei. Es war ein buntes, abwechslungsreiches und unterhaltsames Live-Programm, in dem wir, unter anderem, auch Menschen, die normalerweise im Hintergrund eines solchen Rennens agieren, vor die Kamera gebeten haben und es war gleichzeitig auch ein Programm von Fans und für Fans, da diese aktiv in das Format integriert wurden: Es gab unter anderem emotionale Interviews, behind the scenes Eindrücke, wie die Fans normalerweise ein 24H Rennen erleben und ein Fan-Mosaik Bild, bei dem ein einzigartiges Kunstwerk von der Nordschleife entstanden ist. Zusätzlich gab es einen separaten 25H Live-Stream mit Live-Konzerten vor Ort. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals bei allen Beteiligten, bei Sporttotal, bei allen Gästen, bei Eve Scheer und Patrick Simon, die durch die Show geleitet haben, aber auch bei allen Fans bedanken, die uns hier unterstützt haben und das Format so zu einem vollen Erfolg gemacht haben. Wir haben unter dem Motto #Dabei über 2,5 Millionen Menschen erreicht, die uns ein Stück weit bei dieser abgefahrenen Idee begleitet und mit uns gefeiert haben! Eine Zahl, die sich absolut sehen lassen kann. Ein einzigartiges Format, das ohne Corona & Co niemals umsetzbar gewesen wäre.

Ich bin absolut stolz darauf, was hier in der Gemeinschaft gestemmt wurde. Alle Mitarbeiter sind praktisch in Kurzarbeit, Ressourcen waren enorm limitiert und Budget gab es de facto keines. Jedoch hat jeder Einzelne in dieser Gemeinschaft übermenschliches geleistet, um das gemeinsam definierte Ziel zu erreichen! Es ist unfassbar schön zu sehen, wie sehr positive Impulse und Leidenschaft Menschen antreibt und welchen Ansporn es gibt, wenn man nach Wochen wieder an einem konkreten Projekt arbeitet. Ich bin überzeugt davon, dass diese Kampagne unter “normalen” Bedingungen niemals umzusetzen gewesen wäre: Alleine aus budgetären bzw. monetären Aspekten, Konkurrenzdenken oder Konzerndenken wäre die Idee höchstwahrscheinlich aus zeitlichen Gründen und dem geringen Vorlauf gar nicht erst angestoßen worden. Und exakt das ist es, was mich aktuell gerade fasziniert und weiterhin antreibt: Allianzen formieren sich gerade zu Think-Tanks, verbünden sich für die Sache und treiben Visionen voran, Umsatz und Gewinn sind erstmal zweitrangig. Das Produkt und die Idee steht im Fokus, anstatt der Markt und das Potential, das meiste Geld einzusammeln.


Ich bin und war immer ein Mensch, der stets positiv denkt und immer versucht auch schwierige Situationen sachlich zu hinterleuchten und neue Perspektiven zu suchen. Eine vergleichbar schwierige wirtschaftliche Zeit haben wir alle mit Sicherheit noch nicht zuvor erlebt, doch nach anfänglicher Panik und einer Zwangspause, die ich mir selbst auferlegt habe, um den Kopf frei zu bekommen, gab es nur eine Richtung: Vollgas nach vorne! Wir arbeiten seit einiger Zeit an super spannenden Themen, haben Partnerschaften und Allianzen geschlossen, um gemeinsam mehr zu erreichen, als jeder für sich selbst erreichen hätte können. Das “25,378 - die abgefahrenste Idee des Jahres”-Projekt ist nur ein Beispiel davon, dafür aber ein Paradebeispiel, wie Teamwork funktionieren kann und wie sich Unternehmen gegenseitig bereichern und unterstützen können.


Digitalisierung im Live-Marketing ist aktuell in aller Munde – dieser Tage nennt sich jeder Dienstleister in der Veranstaltungsbranche Digital Experte. Aber es ist eine sehr logische Konsequenz, denn Digitalisierung in der Veranstaltungsbranche gibt uns die betriebliche Grundlage, Planungssicherheit und Unabhängigkeit zurück, die uns in der realen Welt genommen wurde. Digitales Marketing transportiert Werte, Emotionen und Erlebnisse via YouTube, Twitch, Facebook und Co. in die Wohnzimmer der Konsumenten, in der Hoffnung, dass die Einschaltquoten gut sind und das Programm Relevanz hat. Das grundsätzliche Problem dabei ist, dass sich aktuell alle Dienstleister und Veranstalter nur darauf konzentrieren, mit welcher Technik die Inhalte beim Kunden ankommen, sich jedoch aber nicht auf die Grundwerte der Veranstaltung oder die grundsätzlichen Attribute der Veranstaltungsbranche konzentrieren. Fans, Endkonsumenten wollen aber auch meist ein Teil der Veranstaltung sein, wollen interagieren und selbst das Produkt Veranstaltung gestalten. Da helfen improvisierte Konzerte aus der Garage, frontale Präsentationen vor laufenden Kameras, das reine Abspielen von Content, der die letzten Jahre gesammelt wurde oder Ähnliches reichlich wenig, um eine nachhaltige Beziehung zum Kunden aufzubauen. Die physische, analoge Welt generiert die Wow-Momente und liefert einzigartige Erlebnisse. Digitalisierung hilft uns, die Reichweite und die Geschwindigkeit zu erhöhen, ermöglicht uns aber auch gleichzeitig, Erlebnisse zu individualisieren. Digital und Analog ergänzen sich also perfekt und helfen dabei, neue zusätzliche Zielgruppen zu erschließen und das volle Marktpotential zu nutzen – es gibt kein entweder oder. Die Restriktionen der Corona-Krise lassen uns keine Wahl und so können wir leider nur digitale Erlebnisse schaffen. Jedoch sollten wir nicht nur blindlings unüberlegten Content in die digitale Atmosphäre blasen, sondern uns gut überlegen, wie wir Konsumenten und Fans im digitalen Raum involvieren und sie begeistern können. Jede Veranstaltung lebt vom Live-Momentum, der Atmosphäre, die durch die Interaktion mit dem Publikum entsteht und nicht reproduzierbar ist. Jede Veranstaltung für sich ist einzigartig und genau das müssen wir auch im virtuellen Raum sicherstellen. Ansonsten könnten wir einfach in unsere digitalen Archive greifen und wahllos irgendwelchen Content der letzten Jahre auf diversen Plattformen ausstrahlen und sie als eine Art Dauerwerbesendung vermarkten.


Veranstaltungen definieren sich durch zeitliche und räumliche Begrenzung, leben von der Inszenierung, von der Interaktion und Beteiligung des Publikums. Wir Live-Marketer bauen Erlebniswelten und stellen somit nur eine Plattform zur Verfügung, die dann erst durch das Publikum zum Leben erweckt wird. Das sollten sich die selbst ernannten digitalen Experten und Berater vor Augen führen und darüber nachdenken. Logischerweise lockt der schnelle Umsatz ohne viel Aufwand, jedoch haben wir für uns beschlossen, unseren Werten und Ideologien treu zu bleiben und das hat sich in meinen Augen bewährt.


Positives Denken, Besonnenheit, der Glaube an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten sowie Authentizität sind für uns der Schlüssel zum Erfolg. Gleichzeitig haben wir uns nie vor Herausforderungen gescheut und oft auch steinige Wege gewählt, anstatt nur das schnelle Geld zu sehen. Wir haben eine klare Vision und Perspektive und sehen uns als Berater in der Verantwortung, nachhaltige Lösungen für unsere Kunden zu finden. Und das macht sich langfristig bezahlt.


Corona war nicht das Ende eine Ära, sondern wird als Chance und Anfang von etwas Neuem in die Geschichte eingehen. Kreativität, unbändiger Wille, Idealismus und innere Ruhe sind die Attribute, die jetzt gefragt sind. Druck, Zwang und Hektik sind Katalysatoren, die die Talfahrt noch mehr beschleunigen, wie ich selbst erfahren musste.


In diesem Sinne, glaubt an euch selbst, bleibt ruhig und besonnen, bleibt euren Werten und Visionen treu und schließt Allianzen. Geteiltes Leid ist halbes Leid und hilft das Laster zu verteilen, neuen Mut zu schöpfen und hilft gleichzeitig kreative Ideen zum Leben zu erwecken. Vor allem – und da wiederhole ich mich gerne – in der Gemeinschaft haben wir wesentlich mehr Power und Potential, als wir als Einzelkämpfer jemals haben werden.


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